Kurze Geschichte des Ev. Friedhofs Rheydt bis heute

Vom Kirchhof zum Friedhof
Bis 1810 wurden die verstorbenen Gemeindeglieder um die alte Ev. Hauptkirche herum auf dem "Kirchhof" beerdigt. Dieser war seit vielen Jahrhunderten der Begräbnisplatz der Christengemeinde, die im 16. Jahrhundert mehrheitlich den evangelischen Glauben angenommen hatte. Beim Bau der neuen Ev. Hauptkirche (1899-1902) am Markt wurde er mit überbaut.
Nachdem man zunächst an der Limitenstraße einen neuen Begräbnisplatz angelegt hatte, der sich aber wegen großer Nässe als ungeeignet erwies, wurde im Jahr 1822 am "Bonnenbroicher Kirchweg", der heutigen Friedhofstraße, der neue Ev. Friedhof Rheydt eröffnet.
Er wuchs im Laufe der Zeit nach Norden zur heutigen Nordstraße hin. Bis Ende des 19. Jahrhunderts erstreckte er sich bis zum Gefallenenehrenmal auf dem Hauptweg. Um 1905 erhielt er als würdiges Entree das schöne, symbolträchtige Jugendstiltor an der Friedhofstraße. Weil die alte Leichenhalle viel zu klein geworden war, errichtete die Kirchengemeinde 1928 an der Nordstraße durch die Dortmunder Architekten Strunck & Wentzler die neue "Gedächtnishalle" im expressionistischen Stil. Sie diente auch als Gefallenenehrenmal und wurde 1943 durch einen Luftangriff bis auf die Grundmauern zerstört und nach 1945 vereinfacht wieder aufgebaut.

Frühere Friedhofsreformen
Nach dem 2. Weltkrieg fand die letzte Friedhofserweiterung statt. Seitdem liegt der Friedhof im umbauten Gebiet und kann sich nicht mehr ausdehnen. Bis in die sechziger Jahre führte das zu enormen Platzproblemen, die die Existenz in Frage stellten. Erst die große Friedhofsreform, die - unter Protesten! - die alten Erbbegräbnisse, die seit der Gründung ca. ein Drittel der Friedhofsfläche umfassten, abschaffte, rettete den defizitären Friedhofhaushalt und schuf im Hinblick auf die Platznot Abhilfe. Dadurch setze allerdings eine Entwicklung ein, die zu einer immer stärkeren Zersplitterung der ehemals großen Familiengrabstätten führte. Diese Anlagen, die manchmal über 20 Grabstellen umfassten, mussten seit der Friedhofsreform als Wahlgräber nachgekauft werden.

Bewusste Traditionspflege
Dennoch, solche repräsentativen Grabanlagen werden auch heute noch von vielen Rheydter Familien in Ehren gehalten, oder sie haben mittlerweile neue Liebhaber gefunden, die als "Pate" fungieren. Die Denkmalpflege hat sie, wie auch die ganz kostbaren Grabsteine aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die in der Nähe der großen Eibe zu finden sind, unter Schutz gestellt. Das Presbyterium unterstützt das, weil solche Grabmonumente - wie auch der wertvolle Baumbestand - das Gesicht unseres Friedhofs unverwechselbar prägen. Alte Grabsteine ob groß oder klein erzählen von vergangenen Zeiten und Menschen. In ihrer oft tiefsinnigen Symbolik oder durch die vielen tröstlichen Bibelworte laden sie den Friedhofsbesucher ein, nachzudenken über Leben und Tod unter Gottes Verheißung. Regelmäßig stattfindende Führungen über den "Gottesacker", die wir anbieten, werden auch deshalb gerne angenommen

Wandlungsprozesse in der Grabkultur
In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Feuerbestattungen erheblich erhöht. Das geht zu Lasten der traditionellen Erdbestattungen. Gut angenommen wurden die "Rasengräber", die der Ev. Friedhof Nordstraße als erster Friedhof in der Stadt - als theologisch begründete Alternative zur anonymen Bestattung -  eingeführt hat. Insgesamt belastet aber, neben den rückläufigen Bestattungszahlen, der allgemeine Trend zur preiswertesten Bestattungsart den Friedhofhaushalt ganz erheblich.
Eine ökumenische Öffnung des konfessionelle Friedhofs im Hinblick auf die Bestattung aller Christen, die der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) angehören, war deshalb auch im Hinblick auf den Gebührenhaushalt unabdingbar. Leider haben sich nicht wenige evangelische Gemeindeglieder - z. B. im Rheydter Westen oder in Giesenkirchen - den städtischen Friedhöfen zugewandt, obwohl die Gebühren auf dem Ev. Friedhof immer noch deutlich niedriger sind als auf anderen Friedhöfen.

Tradition und Innovation
Der Ev. Friedhof an der Nordtraße versucht heute einerseits durch seine Schönheit und den guten Pflegezustand zum anderen durch eine maßvolle Gebührenentwicklung und hohe Dienstleistungsbereitschaft aller Mitarbeiter neue Grabnehmer und damit "Liebhaber" aus der ganzen Stadt zu gewinnen. Durch neue zur Zeit in Vorbereitung befindliche Bestattungsformen, wie Rosengräber, Urnengemeinschaftsanlagen oder Bestattungen unter großen Bäumen, die den gewandelten Bedürfnissen der Menschen entgegenkommen sollen, möchten wir einen Reformfriedhof betreiben, der Zukunft hat. 
Helfen Sie, diesen kostbaren Schatz zu erhalten! Wir alle brauchen einen guten Ort, um unsere lieben Verstorbenen zu betrauern, und auch wir selbst sollten uns nach dem Tod nicht "spurloses Verschwinden" verfügen.                                                          
Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung!

Pfr. Olaf  Nöller, Friedhofsbeauftragter (Telefon 0 21 66 / 3 17 40)
Friedhof Büro (Telefon 0 21 66 / 24 87 15)